Fallschirmtruppe der Deutschen Wehrmacht

Die ernsthafte militärische Nutzung von Personenfallschirmen zum Absetzen von Truppen im Rücken des Gegners oder zur überraschenden Bildung von Schwerpunkten, ist ein Gedanke, der seinen Ursprung in den starren Frontverläufen der Westfront des 1. Weltkriegs hat. Trotz ihrer beachtlichen Erfolge im 2. Weltkrieg, z.B. bei der Eroberung des als uneinnehmbar geltenden belgischen Sperrforts Eben Emael, der Einnahme der Insel Kreta, den Einsätzen an den Invasionsfronten oder bei der Schlacht um Arnheim wurde der Fallschirmtruppe schon in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts bescheinigt, obsolet zu sein. Hubschrauber sollten auch weniger speziell ausgebildete Truppen in den Einsatz bringen, Panzertruppen sollten am Boden, Jagdbomber aus der Luft die Entscheidung herbeiführen.

Die Militärgeschichte zeigt, daß sich dieses theoretische Konstrukt nicht bewährt hat. Fallschirmjäger als 'Soldaten der dritten Dimension' sind in der Lage, in der Tiefe des Raumes, weit hinter den feindlichen Linien, zu operieren. Hier können sie über den taktischen Bereich hinaus strategisch wirken und den Gegner dazu zwingen, massive Reserven zurückzuhalten, umzugruppieren oder Schwerpunkte ungeplant zu verlagern. Dieses früher 'indirect approach' genannte Prinzip wird heute auch als 'vertical envelopment', die vertikale Einkreisung, bezeichnet.

Die Entwicklung der deutschen Fallschirmjäger lässt sich auf die Früchte der militärischen Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zurückführen. Die deutschen Manöverbeobachter waren von den Vorführungen des Absetzens ganzer sowjetischer Bataillone per Fallschirm beeindruckt zurückgekehrt und schnell hatte man das Potenzial dieser neuen Waffe erkannt. Entsprechend konsequent und zügig erfolgte der Aufbau der deutschen Fallschirmtruppe. Heer und Luftwaffe legten ihre Konzepte unterschiedlicher Ansätze vor, die Zusammenführung erfolgte im Rahmen der Luftwaffe, den Ausschlag gab hier die organisatorische Verknüpfung zwischen Fallschirmjägern und Transportfliegern, die in der Luftwaffe naturgemäß gegeben war.

Die Prinzipien bei der Personalauswahl haben sich seitdem nicht geändert: nach wie vor ist die Freiwilligkeit, nicht nur den Sprung aus der Maschine zu wagen, sondern auch die, sich einer besonders harten und nachhaltigen Ausbildung zu unterziehen, Grundvoraussetzung, um Zugang zu dieser Leistungs- und Auswahlelite zu finden. Im Deutschen Reich wurde natürlich auch der Abenteuergeist der jungen Rekruten und die Begeisterung für den Dienst in dieser neuen Waffengattung angesprochen. Auf diese Weise erhielt die Fallschirmtruppe schnell den nötigen Zulauf durch motivierte Bewerber.

In die Blitzkriegsstrategie der Wehrmacht passte sich die Fallschirmtruppe nahtlos ein: mit der Besetzung wichtiger Brücken und Flugplätze in Skandinavien und Holland und der Einnahme von Eben Emael bewiesen die Fallschirmjäger ihren Wert, auch wenn beim Sprungeinsatz in Dombas Sieg und Niederlage sehr dicht beieinanderlagen oder der Sieg auf Kreta nur unter schweren Verlusten zustande gekommen war. Aufgrund Hitlers Ansicht, nach den Anfangserfolgen sei der Überraschungseffekt der dritten Dimension verbraucht und Sprungeinsätze wären wegen der zu erwartenden Verluste zu vermeiden, erfolgten nach Kreta nur noch wenige klassische Fallschirmjägereinsätze, wie z.B. bei der Einnahme des italienischen Hauptquartiers in Monterotondo als Teil der Schlacht um Rom 1943 oder der Sprung in die Ardennen der Kampfgruppe von der Heydte im Dezember 1944. Von diesen Ausnahmen abgesehen, erfolgte der Einsatz der Fallschirmjäger nahezu ausschließlich am Boden, als 'Feuerwehr' im Kampfgeschehen oder an besonders gefährdeten Frontabschnitten.